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.Ich bin schon zu sehr in diesen Krieg hineinverstrickt.Ichbin zum Hierbleiben verurteilt, koste es, was es wolle.Nie-mals mehr werde ich mich in einen stillen Winkel zurück-ziehen können zu meiner Musik, meinen Gedichten, mei-nen Rosen & «Unglaublich, daß er dies alles sagte, ohne daß ich ihndanach gefragt hätte.Ich aber brachte den Mund nicht auf,um ihn zu unterbrechen: Reden Sie doch nicht so, Gene-501ral, das schickt sich nicht, das ist unter Ihrer Würde, Siesind General Loan, der Schrecken von Saigon, der grau-samste Mensch in Vietnam, was würde die Welt dazu sa-gen, wenn sie sähe, daß Sie wie ein Kind weinen, meinHandgelenk so fest umklammern und ein Jesusbildchenan die Lippen führen, hören Sie doch bitte auf, General,oder lassen Sie mich gehen.Und das Unglaublichste war,daß weder sein Vater noch seine Frau sich um seine Wor-te, Tränen und Verzweiflung zu kümmern schienen.Sieversuchten erst gar nicht, ihn zu trösten, ihn zu beruhigen.Die Frau rückte die Medizin zurecht, der Vater las un-beirrt in seiner Zeitung weiter.Teilnahmslosigkeit oderSchamgefühl ? Nach einer Weile faltete der Vater die Zei-tung zusammen und sagte auf französisch, er werde hin-ausgehen.»Geh nur, geh nur«, erwiderte Loan.Und suchte nacheinem Taschentuch, wischte sich die Augen und putztesich die Nase.Dann sagte er zu seiner Frau: »Geh auchdu, wenn du willst.«Gehorsam, mit gesenktem Kopf, nahm die Frau ihreTasche und folgte dem Schwiegervater.»Au revoir«, flü-sterte er.Dann schloß sich die Tür hinter ihr, ich blieb mitLoan allein, und diese Worte, die ich so lange zurückge-halten hatte, gingen mir jetzt ganz leicht über die Lippen.Vielleicht, weil ich nicht mehr an sie glaubte.»Ich war empört über Sie, General.«»Ja, ja & Alle waren sie empört.«»Sie wissen, wovon ich spreche, General ?«»Ich weiß, ich weiß.«502»Jetzt hat das keine so große Bedeutung mehr.Aber wa-rum taten Sie es, General ? Warum ?«»Er war ein Saboteur & Er hatte so viele Menschenumgebracht & «»Er war ein Gefangener, General Loan.Mit gefesseltenHänden.«»Nein, nicht mit gefesselten Händen & «»Doch, sie waren gefesselt, General.«Er drehte das Gesicht zur Wand, ein schmerzliches,qualvolles Schluchzen schüttelte ihn.»General, ich glaube, schon andere haben Sie danach ge-fragt : Kannten Sie den Mann ? War er einer der Ihren ?«»Nein, nein.«»War Ihnen damals nicht gut ? Waren Sie betrunken ?«»Nein, nein.«»Sagen Sie die Wahrheit.Schließlich ist es besser, wennSie betrunken waren.«»Nein, nein !«»Also warum, General ? Warum ?«Und letzt wandte er mir sein Gesicht wieder zu und er-griff auch mein anderes Handgelenk und neigte sich ganzmit dem Gesicht darüber, so daß mir alle Tränen auf denArm tropften, er wurde ganz naß.»Weinen Sie nicht, General.«»Es erleichtert mich, es hilft mir & «»Weinen Sie trotzdem nicht.«»Lassen Sie mich um Gottes willen weinen.VerstehenSie mich, ich verstehe Sie doch auch.Ich verstehe IhrenStandpunkt.An Ihrer Stelle würde ich vielleicht dassel-503be tun.Ich würde zu Loan gehen und ihn fragen: Loan,warum hast du das getan, warum ? Loan, du behauptest,daß du das Zarte liebst, daß du die Rosen liebst, unddann tötest du einen Menschen auf solche Weise.Du bistein Mörder, Loan, weine nicht.Ich aber bin nicht an Ih-rer Stelle, ich bin an meiner Stelle.Ob es mir gefällt odernicht, ich bin Soldat, und in diesem Krieg bin ich nun malauf der einen Seite engagiert & «»General, der Vietkong war ebenfalls ein Soldat.EinSoldat mit kariertem Hemd, aber ein Soldat.Und auch erin diesem Krieg engagiert.«»Er trug keine Uniform.Einen Menschen, der schießt,ohne eine Uniform zu tragen, kann ich nicht respektie-ren.Das ist zu bequem: umbringen, ohne erkannt zuwerden.Einen Nordvietnamesen respektiere ich, weil erebenso wie ich als Soldat angezogen ist und darum auchebensoviel riskiert wie ich.Aber einen Vietkong in Zi-vil & Da hat mich die Wut gepackt
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